Benedictus-Chor
1. internationale Wilkie-Treffen 2015
auf der Farm in Kenia
Spiel und Spaß
in der Schulküche
Rumänien 2016
Heuwagen
Alltag mit dem Infusionsrucksack
Familienbesuch bei Kanze
"steriler" Arbeitsplatz in Kenia

Vor drei Tagen bekam ich den neuen Port. Die Lunge blieb bei der Punktion heil. Aber die Punktion an der Vena jugularis am Hals verursachte eine Schwellung, die auf die Luftröhre drückt. Mit Stunden langem Eis auflegen wird es langsam besser. Eine so kleine Operation macht mich so matsch. Eigentlich dachte ich, dass ich heute entlassen werden kann. Ich hab gar nicht gefragt. Das Zimmer muss ich inzwischen mit drei Pflegefällen teilen.

Die Thermofenster sind geschlossen. Die Rollläden herunten. Die Luft ist schon sehr heiß. Durch die Fenster dringt der Lärm des Kompressors auf der Krankenhausbaustelle. Vom Gang her höre ich Gespräche der Schwestern mit und natürlich jeden Schritt, der bei der offenen Zimmertür vorbeikommt. Das ist hier Stille. Leider ist es immer nur eine Sache von Minuten. Ansonsten unterhalten sich die Bettnachbarinnen in voller Lautstärke oder irgend ein Telefon klingelt. Von den Besuchen zu jeder Zeit ganz zu schweigen. So wichtig für mich die sozialen Kontakte sind, aber ich würde klingelnde Telefone im Krankenzimmer fast verbieten. Seit 5 Tagen darf ich am Nachmittag für ein paar Stunden nach Hause. Dort habe ich wirkliche Stille, die nur von Vogelgezwitscher oder dem gelegentlichen Krähen unseres Hahnes unterbrochen wird. Selbst das Spielen unserer Kinder neben mir empfinde ich als erholsam. Ohne diese Ausgänge würde ich diese Zeit herinnen nicht mehr aushalten.

Morgen  bekomme ich einen neuen Port. Die Ärzte befürchten Komplikationen. Erst nach dem Aufwachen werde ich wissen, wo der neue Port ist.  Möglicherweise am Oberschenkel. Und ich hoffe, dass die wahrscheinlichste Komplikation, die mir angekündigt wurde, Pneumothorax, nicht eintritt.

Seit zwei Nächte habe ich keine Schmerzen. Ich kann wieder etwas essen, ohne dass die Schmerzen außer Kontrolle geraten. Außerdem werde ich ja zusätzlich über die Armvenen ernährt. Meine Mehrzufuhr an Kalorien und erholsamen Nächte erlauben mir, mein tägliches Fitnessprogramm zu erweitern. Waren es vor zwei Wochen ein paar Schritte am Gang in Begleitung meiner Physiotherapeutin, so sind es heute drei Stockwerke ohne Begleitung. Sobald es mir besser geht, kann mich nichts im Bett halten. Das ist gut so. Mit der Therapeutin durfte ich 8 Minuten am Rad fahren. Ich fühle mich fit für daheim. Noch muss ich aber die Ergebnisse abwarten. Wider Erwarten ist bei den Kulturen aus dem zentralen Venenkatheder nichts gewachsen. Jetzt hoffen wir, dass dies auch beim Port so ist. Dann könnte er drinnen bleiben und ich bald heim.

Obwohl die Blutkulturen aus dem Port negativ waren, kam er doch heraus - Sicherheitsmaßnahme. Dass dies schon vor zwei Wochen hätte geschehen können, ist ein anderes Thema. In einer Woche bekomm ich einen neuen Port. Inzwischen bekomme ich die fehlenden Kalorien schon seit zwei Wochen über die Armvenen. Noch eine Woche sollte das so gehen, was sich weder ich noch der Anästhesist vorstellen können. Er schaffte nämlich nicht mal vor der OP einen Venenzugang. Ich wurde unter lokaler Betäubung ohne Venenzugang operiert. Ich bin als Herausforderung schon im Haus bekannt. Aber irgendwie schaff ich die kommende Woche auch noch.

Warten ist die Hauptbeschäftigung hier im Krankenhaus. Ich warte am frühen Morgen, wenn mich die Schmerzen zu früh wecken auf den Nachtdienst, der mit dem Fieberthermometer kommt. Dann warte ich bis der Tagdienst Leben auf die Station bringt, denn ein Einschlafen bis dahin ist nicht mehr möglich. Ab dem Frühstück (das bei mir wohl diese Bezeichnung nicht verdient) warte ich auf das Blutdruckmessen, aber mit ziemlicher Sicherheit wird dieses Warten von einer Blutabnahme unterbrochen. Auch meine Zeit im Bad ist eine Unterbrechung. Dann versuche ich Schlaf nachzuholen, was natürlich unrealistisch ist. Eigentlich warte ich noch auf die Diätologin um mein "Essen" für den nächsten Tag zu besprechen. Und dann erwarte ich noch die Physiotherapeutin. Auf das Bewegen neuer Muskel freu ich mich jeden Tag, aber nur wenn ich mich halbwegs fit fühle. Gestern hab ich ihr einen Korb gegeben. In den letzten Tagen erwartete ich die Reinigung mit Sehnsucht. Dann wenn meine Bettnachbarin ihre Windel in der Nacht zerfetzte und auf dem Boden verteilte oder ihr Geschäft auf dem Boden verrichtete. Naja um 11 warte ich wieder auf den Fieberthermometer. Und eigentlich warte ich den ganzen Vormittag auf die Visite. Die kommt aber erst nach dem Mittagessen. Da heißt es wieder warten auf Befunde. Man könne noch immer nicht sagen, ob der Port heraus muss. Tja und dann warte ich bis endlich Ruhe einkehrt um vielleicht doch noch den versäumten Schlaf nachzuholen, wenn das Schmerzmittel mir den Schmerzpegel doch auf ein entsprechendes Maß senkt. Ich warte bis endlich der Besuch von der Bettnachbarin heimgeht, was gestern erst nach 6 Stunden war. Um 16 Uhr geht es wieder weiter. Da warte ich auf mein Abendessen. Meinen Appetit muss ich wegen der Schmerzen nach dem Essen bremsen, falls ihn nicht die Schmerzen schon besiegt haben. Ich warte auf den Tagdienst, der nochmals vorbei schaut, bevor ich meinen Besuch bei Jesus in der Kapelle mache und ihm dort begegnen darf. Ich erwarte jeden Tag, dass er mich heil macht. Mein letztes Warten gilt dem Nachtdienst. Dann warte ich nur mehr auf einen erholsamen Schlaf. Zwischen 2 und 5 Uhr fängt der Kreislauf von vorne an.