Alltag mit dem Infusionsrucksack
1. internationale Wilkie-Treffen 2015
Familienbesuch bei Kanze
"steriler" Arbeitsplatz in Kenia
Benedictus-Chor
Rumänien 2016
Heuwagen
in der Schulküche
Spiel und Spaß
auf der Farm in Kenia

Warten ist die Hauptbeschäftigung hier im Krankenhaus. Ich warte am frühen Morgen, wenn mich die Schmerzen zu früh wecken auf den Nachtdienst, der mit dem Fieberthermometer kommt. Dann warte ich bis der Tagdienst Leben auf die Station bringt, denn ein Einschlafen bis dahin ist nicht mehr möglich. Ab dem Frühstück (das bei mir wohl diese Bezeichnung nicht verdient) warte ich auf das Blutdruckmessen, aber mit ziemlicher Sicherheit wird dieses Warten von einer Blutabnahme unterbrochen. Auch meine Zeit im Bad ist eine Unterbrechung. Dann versuche ich Schlaf nachzuholen, was natürlich unrealistisch ist. Eigentlich warte ich noch auf die Diätologin um mein "Essen" für den nächsten Tag zu besprechen. Und dann erwarte ich noch die Physiotherapeutin. Auf das Bewegen neuer Muskel freu ich mich jeden Tag, aber nur wenn ich mich halbwegs fit fühle. Gestern hab ich ihr einen Korb gegeben. In den letzten Tagen erwartete ich die Reinigung mit Sehnsucht. Dann wenn meine Bettnachbarin ihre Windel in der Nacht zerfetzte und auf dem Boden verteilte oder ihr Geschäft auf dem Boden verrichtete. Naja um 11 warte ich wieder auf den Fieberthermometer. Und eigentlich warte ich den ganzen Vormittag auf die Visite. Die kommt aber erst nach dem Mittagessen. Da heißt es wieder warten auf Befunde. Man könne noch immer nicht sagen, ob der Port heraus muss. Tja und dann warte ich bis endlich Ruhe einkehrt um vielleicht doch noch den versäumten Schlaf nachzuholen, wenn das Schmerzmittel mir den Schmerzpegel doch auf ein entsprechendes Maß senkt. Ich warte bis endlich der Besuch von der Bettnachbarin heimgeht, was gestern erst nach 6 Stunden war. Um 16 Uhr geht es wieder weiter. Da warte ich auf mein Abendessen. Meinen Appetit muss ich wegen der Schmerzen nach dem Essen bremsen, falls ihn nicht die Schmerzen schon besiegt haben. Ich warte auf den Tagdienst, der nochmals vorbei schaut, bevor ich meinen Besuch bei Jesus in der Kapelle mache und ihm dort begegnen darf. Ich erwarte jeden Tag, dass er mich heil macht. Mein letztes Warten gilt dem Nachtdienst. Dann warte ich nur mehr auf einen erholsamen Schlaf. Zwischen 2 und 5 Uhr fängt der Kreislauf von vorne an.

Gestern wollte ich das Krankenhaus verlassen. Leider wurde im zentralen Venenkatheder ein Keim nachgewiesen. Der Professor meinte überhaupt: "Jetzt sind sie gerade von der Schaufel gehüpft und dann wollen sie schon heim! So schnell geht das nicht." Heut die schlimme Nachricht, dass die acht Blutkulturen von gestern alle positiv sind. Also der Port muss heraus. Ich kann nicht mehr parenteral ernährt werden. Der Versuch, heut mehr Kalorien oral in mich zu bringen, endete mit Schmerzen, Übelkeit und der Unmöglichkeit, noch irgend einen Schluck hinunter zu bringen. Aber ich schaff das bis ich einen neuen Port habe. So schnell verhungert man nicht.

Vor über zwei Wochen erklomm ich unglaubliche Höhen,  was die Körpertemperatur und Blutwerte betrifft. Ein "böser" Keim kam in meine Blutbahn und verursachte eine schwere Sepsis. Nach 6 Tagen sagte der Arzt, ich sei noch nicht übern Berg, sondern noch auf dem Berg, quasi auf dem Gipfel. Jetzt bin ich beim Abstieg, der mühsam ist. Der ungewollte Aufstieg war sehr kräfteraubend.

In Träumen der letzten Zeit sehe ich tiefblaues Wasser, ich stehe am Meer und träume davon, eine Runde zu schwimmen. Nach drei Wochen mehr oder weniger Bett werde ich mich erst wieder an die Sonne gewöhnen müssen. Und dann lasse ich zumindest meine Beine ins Pool hängen. Mit angestochenem Port kann ich nicht ins Wasser. Noch bleibt es bei den Träumen, weil ich heute wieder Fieber hatte.

Nach einer Besichtigung der Innenstadt von Leipzig hatte ich einen Bärenhunger, wie das eben so ist nach so einem Ausflug. Leider hat nicht meine Vernunft gesiegt, sondern das Hungergefühl. Ich aß eine halbe Scheibe Brot mit Aufstrich. Nach ca. einer halben Stunden begannen die Schmerzen. Um Mitternacht war ich noch immer wach, weil Novalgin in doppelter Dosis nichts mehr nützte. Drei Stunden Schlaf waren mir gegönnt, dann ließen mir die Schmerzen keine Ruhe mehr. In meinem Bauch war ein "Knödel" zu tasten. Da ich in der Früh für meine Rückreise nach Österreich nicht fähig war, suchte ich nach einer Lösung. Prof. Scholbach untersuchte mich noch einmal. Genau wo der "Knödel" zu tasten war, war auch schon gestern zu sehen, dass es hier ein Hindernis gibt. Aber auch heute konnte er es nicht aufspüren. Es gibt mehrere Ideen. Wir kommen dem Hindernis auf die Spur, das sich zusätzlich zum Wilkie-Syndrom schon seit Jahren meinem Darm in dem Weg stellt. Ich bin Prof. Scholbach sehr dankbar, dass er so ein excellenter Detektiv ist.

Mit starken Schmerzen trat ich die Heimreise an. Es waren harte 6 Stunden, aber ich habe sie mit Gottes Hilfe geschafft.