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Kraft aus dem Glauben

Heute muss ich früh aufstehen. Ich trage die Hauptverantwortung für den Krankengottesdienst in meiner Heimatpfarre. Mein Vertrauen in Gott ist so groß, dass ich mich auf diese Verantwortung einlassen kann – trotz Krankheit, trotz Schmerzen. Wegen der Schmerzen würde ich gerne liegen bleiben. Aber mich ziehen nicht nur meine Aufgaben beim Gottesdienst in die Kirche. In der Eucharistiefeier hole ich mir Kraft für mein Leben mit meiner Herz- und Rheumaerkrankung und meiner seltenen Gefäßkrankheit im Bauch, dem AMS-Syndrom und den damit verbundenen Schmerzen. Ich brauche auch jetzt Opiate. Das sind für Gesunde starke Suchtmittel. Morphium ist das bekannteste. Meine Ärzte nehmen meine Schmerzen lange nicht ernst. Das bringt mich an meine Grenzen. Ich beklage mich bei Gott über meinen unerträglichen Zustand. „Wenn er will, dass ich diese unendlichen Schmerzen aushalte, dann kündige ich meine Freundschaft. Punkt.“ In all meiner Not ist mir immer klar: Gott ist da! Zu ihm kann ich reden über alles, was mich bewegt, wie mir zumute ist. Da geht es mir wie Hiob oder den Verfassern der Psalmen. Ich kann nicht tiefer fallen als in seine Hände. Mit diesem Vertrauen stehe ich vor dem Altar und schaue die Gottesdienstbesucher an. Warum lässt Gott Leid zu? Diese Frage werden sich wohl viele hier stellen. Als Theologin hab ich viel dazu gelesen und gehört. Antwort kann ich dennoch keine geben. Was mich betrifft, stelle ich lieber die Wozu-Frage. Für mich hat alles einen Sinn. Natürlich erscheint mir vieles Leid sinnlos. Rückblickend auf mein Leben kann ich aber sagen: Ich habe einen Sinn für meine Krankheiten gefunden. Das Leben ist viel kostbarer geworden. Jeden Tag bin ich dankbar dafür.

 

Mit meinen Erfahrungen kann ich Menschen Mut machen. Durch sie bin ich stärker geworden. „Wenn ich schwach bin, bin ich stark.“ (2. Kor, Kap 12) Erst durch die Schwachheit meiner Krankheit habe ich die Stärken entdeckt. Erst als ich alles aufgeben musste, bin ich wirklich reich geworden. Was ich hier vor der Gottesdienstgemeinde sage, ist keine Theorie. Es ist meine Erfahrung.

 

In der Einleitung zum Gottesdienst spreche ich von der Aufgabe für die Kranken zu beten. Ich weise auf das Netz hin, an dem viele der in den Bänken vor mir sitzenden Gottesdienstbesucher geknüpft haben, als ich fünf Monate lang im Krankenhaus liegen musste. Ich erinnere mich, dass ich an manchen Tagen nicht beten kann. Andere machen das für mich. Dann darf ich mich in diesem Gebetsnetz aufgehoben fühlen. Ich weise auch darauf hin, dass einer mit uns mit-leidet. In der Eucharistie zeigt uns Gott seine tröstende Liebe. Sie ist für mich der Ort, an dem ich Gottes unendliche Liebe am tiefsten erfahren darf. Ich denke an die Zeit, in der ich an der künstlichen Ernährung hängen muss. „An vielen Tagen ist die Hl. Kommunion meine einzige orale Nahrung. An manchen Tagen ist auch das nicht möglich. Da sitzt der Priester schweigend neben mir. Er drückt mir das Hostiengefäß in die Hand. Ich drücke es fest. Ich bin in SEINER Hand. Stärke und Trost gehen von IHM aus.“ Nach meiner Einleitung bin ich froh, hinter meiner Trommel wieder Platz nehmen zu können, denn meine Schmerzen beeinträchtigen meinen Kreislauf.

Das „Vater Unser“ bete ich sehr bewusst: Herr, Dein Wille geschehe. Ich erinnere mich an meine erste Notoperation. „Seit ich aus der Narkose aufgewacht bin, habe ich meine Gedanken mit Gott verbunden. Ich spüre, dass meine Situation kritisch ist. Gott, du weißt, dass ich auf dieser Erde sehr gebraucht werde, aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. Du hast mein JA dazu.“ Durch mein JA zur Krankheit habe ich inneren Frieden. Dieser lässt ungeahnte Kräfte und Fähigkeiten frei werden.
Am Ende des Gottesdienstes sind meine Schmerzen nicht weniger. Ich brauche wieder eine Opiattablette. Aber ich bin zufrieden, dankbar und sogar glücklich.