Entstehung des Buches

Auszug aus der Buchpräsentation in Kirchdorf/Krems, 2010

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Elisabeth Sallinger:

Wir haben gesagt, wir machen diese Einführung miteinander, weil so ja auch das Buch entstanden ist. Wir haben immer wieder miteinander geredet.

Ich möchte sagen, wie sehr es mich freut, dass ich heute da sein kann. Es ist ein langer Weg bis ein Buch geboren wird. Ich arbeite zwar im Krankenhaus auch auf einer Geburtenstation und einer Neonatologie, aber die Geburt eines Buches ist schon irgendwie noch einmal etwas anderes. Ich war da schon öfter dabei und das Anregen gefällt mir auch sehr. Dass du eingestiegen bist auf diese Anregung, das freut mich sehr, sehr. Ich habe den Text in einem Email bekommen. Ich mache das auf und da steht nur ganz lapidar: Die Uhr. Ich schaue mir den Text an und denke mir: das ist ein Wahnsinn, man kennt sie Jahre lang. Ich kenne die Angela schon als Theologiestudentin und dann schickt sie mir so etwas. Das hat einfach Qualität. Sie soll weiter schreiben. Außerdem hat mich auch ihre Geschichte sehr bewegt. Ich glaube, dass man in Angela einer wirklichen Lebenskünstlerin begegnet. Es sind heute sicher viele da, die das auch kennen.

Die Musik, die zuerst gespielt wurde, dieser Mozart war auch ein Lebenskünstler. Er hat sicher etwas geteilt mit dir, was viele nicht wissen. Mozart muss, wenn man den Kopf anschaut und seine Zähne, irrsinnig viel Zahnweh gehabt haben. Eric Emmanuel Schmitt beschreibt das in seinem Buch: Mein Mozart. Er ist total erschüttert darüber, wie seine Zähne ausgeschaut haben und wie viele Schmerzen der Mann gehabt haben muss und wie viel Musik in ihm war, die er mit uns geteilt hat. Da sehe ich eine Parallele zu dir, Angela. Trotz des Schweren, das du erlebt hast, lässt du uns in deinem Buch teilhaben an der Kostbarkeit des Lebens.

Und sie haben schon gesagt, Herr Prim. Schubert, dass viel drinnen steht auch über die Menschen, die im Krankenhaus schreiben. Die Schwester, die sich von dir auf der Station bei deiner Entlassung verabschiedet hat: "Sie können schon ein Buch über uns schreiben." Sie hat etwas ganz Wahres gesagt. Das Buch ist nicht nur ein Buch über dich und deine Erfahrung, sondern es ist auch ein Buch über uns, die wir in Krankenhäusern arbeiten. Schwestern, Pfleger, Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten, Seelsorgerinnen und Seelsorger, die Angela kennt uns gut: unsere Spannungen, unsere Menschlichkeit, unsere Ohnmacht und Überforderung, unsere Freude mit den Patienten und unsere Freundschaft mit ihnen. Und ganz genau nimmt Angela wahr, was uns bewegt und was uns ausmacht. Und ganz genau nimmt Angela wahr, was sie selbst bewegt und ausmacht. Die Personen, die im Buch kurz gezeichnet sind, wirklich sehr kurz, sie werden zu Persönlichkeiten, die uns anrühren, mit denen wir mitschwingen und an die wir Fragen haben.

Angela Mair:

Das Eine ist das Schreiben, das Andere ist der Weg bis zur Veröffentlichung. Elisabeth hat dies schon angesprochen. Es hat insgesamt länger gedauert als neun Monate bis zur Geburt. Das Veröffentlichen hat jedenfalls doppelt so lange gedauert wie das Schreiben. Der Grund war auch der, dass ich sehr kritisch mit mir war. Ich habe mein Manuskript zuerst Freundinnen lesen lassen. Gut kann man sagen, Freundinnen sind immer sehr nett. Das war mir zu wenig. Dann habe ich mir gedacht, was sagt ein Psychologe zu meinen Texten. Vielleicht ist das krankhaft, was ich geschrieben habe oder ich brauche eine Therapie. Ich habe es Dr. Istvàn Kunz aus Salzburg lesen lassen, der leider heute auch verhindert ist, er wäre sonst gekommen. Er hat mir rückgemeldet, dass es wirklich so gut ist, dass ich damit an die Öffentlichkeit gehen soll und kann. Ich darf ihn zitieren. Er hat rückgemeldet: „ Die Texte des Buches sind sehr tief, berührend und Mut machend, strahlen Leben und Zuversicht aus.“ Und damit hat er genau getroffen, was ein Anliegen von mir war: Mut zu machen und Zuversicht auszustrahlen für ähnlich Betroffene.

Diese Rückmeldung vom Psychologen war mir aber auch noch zu wenig. Ich wollte auch wissen, was sagt ein Mediziner dazu. Vielleicht ist es medizinisch gesehen nicht richtig. Vielleicht habe ich einen falschen Blickwinkel oder habe etwas falsch verstanden. Jedenfalls habe ich überlegt, welchen Arzt ich fragen könnte. Es haben ja alle keine Zeit. Ich habe dann OA Dr. Mauler und Dr. Quadlbauer gefragt. Beide haben mein Manuskript gelesen und mir rückgemeldet, dass es würdig ist, zu veröffentlichen und haben mich dazu ermutigt. Sie haben aus medizinischer Sicht nichts daran auszusetzen. Es ist o.k. so wie es ist. Es gibt nichts zu ändern und nichts hinzuzufügen, außer Dr. Quadlbauer. Er hat gesagt: „Oja, da fällt mir schon was ein.“ Ich dachte mir, was kommt denn jetzt. „Sie haben so viel durchgemacht, es ist so viel schief gegangen, eigentlich könnte ich mir vorstellen, dass sie total sauer sind auf die Schulmedizin und die Schulmedizin jetzt anklagen und Kritik üben, aber ich habe in diesem Buch nichts gefunden davon.“ Das hat mich ermutigt und gefreut, dass ich die Schwächen, die ich aufgezeigt habe, wie Prim. Schubert schon gesagt hat, so formulieren habe können, dass es nicht als Anklage ankommt, sondern vielleicht als Anregung.

Nachdem es klar war, dass ich an die Öffentlichkeit gehe, war die Verlagssuche das Nächste, was als kleiner unbekannter Autor schwierig ist. Große Verlage nehmen einen sowieso nicht und man muss einen erheblichen Druckkostenbeitrag bezahlen. Ich habe nur vier Verlage angeschrieben. Das ist für mich wenig. Und den ersten, den ich geglaubt habe, den möchte ich haben, der hat mich auch genommen, weil ich genau in sein Verlagsprogramm passe. Er beschäftigt sich mit Randgruppenthemen. Er wollte das Buch verlegen. Ich habe natürlich einen wesentlichen Teil vorfinanzieren müssen und freue mich, wenn ich viel verkaufen kann.